Nachgefragt: Medienpädagogische Elternabende in KiTas

„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“ (aus: Goethe, Faust). Diesen oder ähnliche Sätze haben vermutlich viele Eltern im Kopf, wenn Sie an das Thema Medien und Kleinkinder denken. Ausgenommen natürlich Bilder- oder andere bücher. Im Gegensatz zu Fernsehen, Tablet und Co erscheinen die erstmal unverdächtig. Oder würden Sie sich beschweren, weil Ihr Kind zu viel liest? Brauchen Kleinkinder Medien wie TV und Tablet? Auf den ersten Blick: Nein! Vor allem benötigen Kleinkinder eine Umwelt, die sie mit all ihren Sinnen erfahren, fühlen, riechen, hören und schmecken können. Der hohe Abstraktionsgrad von Medien kommt diesem Bedürfnis von Kleinkindern nicht entgegen. Je komplexer ein Medium aufgebaut ist, desto mehr Kompetenzen sind zu dessen Nutzung notwendig. Aber: Schon die Kleinsten sind mit der gesamten Vielfalt der Medienwelt konfrontiert: Schaut die Mama z.B. fern, während sie ihr Kind stillt? Telefoniert der Papa, während er sein Kind auf dem Arm wiegt oder spielen ältere Geschwister z.B. ein Videospiel, während sie auf das Kleinkind aufpassen?

Auch Kleinkinder sind demnach schon früh mit verschiedenen Medien konfrontiert und ihre Eltern werden von der Werbeindustrie aktiv umworben. Neben Computern, die speziell für Kinder entwickelt wurden, gibt es inzwischen auch eigene Tablets für die Kleinsten. Inwieweit eine solche Anschaffung sinnvoll ist, bleibt fraglich, zumal Kinder Computer und PC ohnehin nicht ohne elterliche Begleitung nutzen sollten und auch die Komplexität der Geräte Lerngegenstand werden muss. Bei der Frage, ab wann die Einführung eines Mediums Sinn macht, hilft die Entwicklungspsychologie: Kinder sind z.B. erst ab ca. drei Jahren in der Lage, einfachen Handlungsfolgen im Fernsehen zu folgen. Pauschalisierungen sind hier jedoch unmöglich, da sich jedes Kind individuell entwickelt. Hinweise zum Umgang mit dem Thema Medienerziehung im Kleinkindalter finden Sie in meinem aktuellen Handout. Generell gilt: Bevor ein Kind nicht von sich aus Interesse an einem bestimmten Medienangebot zeigt, ist dessen Einführung auch nicht sinnvoll. Die Mediennutzung von Kleinkindern sollte stets unter Begleitung der Eltern stattfinden. Dabei dient die gesamte Familie als Vorbild!