Was wir sehen – Kriegsberichterstattung und Manipulation

Überall auf der Welt gibt es Konflikte und überall werden sie auf unterschiedliche Art und Weise gelöst. Wie schafft es aber ein Konflikt in die Berichterstattung? Wer entscheidet darüber, ob ein Konflikt berichtenswert ist oder nicht? Wird in Deutschland über andere Konflikte berichtet als in den USA? Welcher Konflikt schafft es in die „tagesschau“, welcher nicht? Welche Kriterien werden für diese Entscheidung angelegt? Und welchen Einfluss haben die Tools des Web 2.0 auf die Kriegsberichterstattung?

Medien haben große Macht, wenn es um die Entscheidung geht, ob und wie über weltweite Konflikte berichtet wird. Sie können entscheiden, ob ein Konflikt „stattfindet“ oder nicht. Die verschiedenen Tools des Web 2.0 haben das Potential, den klassischen Gatekeepern des Journalismus einen Teil dieser Macht zu nehmen. Hier kann über Konflikte berichtet werden, die jenseits des journalistischen Mainstream stattfinden. Gleichzeitig befinden sich die Beiträge der Betroffenen und Augenzeugen in einem Spannungsfeld zwischen der Darstellung der Realität und des Potentials zur weiteren Manipulation.

Die Erfahrungen mit der Klasse einer IGS in Mainz haben mir gezeigt, dass wir dazu neigen, die Komplexität von Konflikten zu reduzieren. Wir wollen in einer Welt leben, in der es gut und böse, schwarz und weiß gibt und in der die „tagesschau“ die Instanz ist, die die Wahrheit sagt. Wir möchten in einer Welt leben, die für uns begreiflich ist. Medien machen die Welt, machen komplexe Konflikte für uns begreiflich.

Konflikte sind niemals einfach und Kriege sind es auch nicht. Sie sind komplexe Systeme, die von unzähligen Faktoren abhängen. Damit kann auch die Berichterstattung niemals einfach sein, sondern lediglich verständlich und nachvollziehbar.

Wenn wir das Thema mit Jugendlichen behandeln möchten, müssen wir aufzeigen, welche Komplexität Kriege und ihre Berichterstattung mit sich bringen. Wir müssen uns die einzelnen Einflussfaktoren anschauen und prüfen, wo Manipulationspotential liegt. Und wir müssen uns auch fragen, was im Rahmen der Berichterstattung ethisch vertretbar ist und was nicht.

Auch die Frage danach, wie Bundeswehr, US Army oder Brtish Army ihren Nachwuchs rekrutieren und dabei die verschiedenen Tools des Web 2.0 einsetzen, ist zu stellen. Inwieweit werden Kriege hier ästhetisiert? Und was davon entspricht der Realität eines Soldaten?

In meinen Bookmarks finden sich bereits einige Links, die weitere Denkanstöße liefern.